Führungskräfte spüren den Dauerwandel deutlicher denn je — doch nur eine Minderheit erlebt ihre Organisation als eine, die wirklich mitlernt. Genau in dieser Lücke liegt der Hebel: Nicht mehr Druck auf den Einzelnen, sondern eine Organisation, die das Lernen ermöglicht statt es nur einzufordern.
Was die Zahlen sagen — und wer sie erhebt
Den Befund liefert die Leadership Studie 2026 der Haufe Akademie, veröffentlicht am 12. Februar 2026. Das Besondere an ihr ist die Doppelperspektive: Befragt wurden sowohl 220 Führungskräfte als auch 135 Personalentwicklerinnen und Personalentwickler — und die Studie stellt beide Sichten nebeneinander. Das macht sichtbar, wo Selbst- und Fremdbild auseinanderlaufen, statt nur eine Seite zu spiegeln.
Die Grundstimmung ist eindeutig. 84,1 Prozent der Führungskräfte erleben eine hohe oder sehr hohe Veränderungsdynamik; aus Sicht der Personalentwicklung sind es sogar 93,3 Prozent, die von dauerhaftem Veränderungsdruck sprechen. Fast neun von zehn Führungskräften (88,2 Prozent) berichten zugleich von hoher Arbeitsbelastung. Der Dauerwandel ist also kein abstraktes Trend-Thema, sondern spürbarer Alltag in den Führungsetagen.
Der eigentlich interessante Wert ist ein anderer. Nur rund jede fünfte Befragte (20,5 Prozent) erlebt die eigene Organisation als lernorientiert. Die Menschen stehen unter Wandeldruck — aber die Organisation um sie herum ist selten so gebaut, dass sie mit diesem Wandel mitlernt. Dazu passt eine zweite Beobachtung der Studie: Führungskräfte schätzen ihre eigenen Kompetenzen im Schnitt deutlich höher ein, als die Personalentwicklung es tut — und die Lücke ist bei digitalen und KI-Fähigkeiten am größten. Wo die Selbsteinschätzung die Realität überholt, entsteht ein blinder Fleck, der genau dann teuer wird, wenn es schnell gehen muss.
Der Engpass ist die Organisation, nicht der einzelne Mensch
Die naheliegende Reaktion auf solche Zahlen wäre, an den Einzelnen zu appellieren: mehr Weiterbildung, mehr Resilienz, mehr Eigenverantwortung. Die Studie dreht den Blick. Ihre zentrale Empfehlung lautet, dass Raum, Zeit und eine entsprechende Kultur Entwicklung ermöglichen müssen — statt sie nur zu verlangen. Wenn Lernen ausschließlich in die ohnehin knappe Zeit des Einzelnen gedrückt wird, bleibt es Anspruch auf dem Papier.
Für ein Unternehmen heißt das konkret: Der Hebel liegt weniger im nächsten Trainingskatalog als in der Frage, ob die Organisation selbst lernfähig ist. Gibt es feste Momente, in denen Führung innehält und ihre Wirkung überprüft? Übersetzen sich Werte in tatsächliches Verhalten, oder hängen sie als Poster an der Wand? Hat Entwicklung einen geschützten Platz im Arbeitsalltag, oder ist sie das Erste, was bei Belastung gestrichen wird? Das sind Struktur- und Kulturfragen — und damit Führungsaufgaben, keine reinen HR-Themen.
Das eingebettete Warnsignal der Studie ist deshalb kein Stimmungsbild, sondern eine Risikomeldung: Wo hoher Wandeldruck auf eine Organisation trifft, die nicht mitlernt, verpufft die Anstrengung in Überlastung — und die stille Erschöpfung wird zur Normalität, lange bevor sie jemand misst.
Warum das über die Digital Fitness entscheidet
Hier schließt sich der Bogen zur Digitalisierung. Eine Organisation, die mit dauerndem Wandel umgehen kann, ohne ihre Handlungsfähigkeit zu verlieren — kurz: digital fit —, braucht mehr als Werkzeuge. Sie braucht Strukturen und eine Kultur, die den Wandel tragen. Der Dauerwandel, den die Führungskräfte hier beschreiben, ist zu großen Teilen ein digitaler: neue Tools, KI im Arbeitsalltag, veränderte Kundenerwartungen. Ob eine Organisation ihn übersteht, entscheidet sich genau an dem Punkt, den die Studie freilegt — an der Frage, ob die Organisation mitlernt.
Das betrifft im Kern den Bereich Werte & Organisation aus dem Digital-Fitness-Framework von ConnectiveX: tragen Strukturen und Kultur den Wandel, oder bremsen sie ihn? Eng damit verbunden ist die Veränderungs- und Lernkraft der Menschen. Beides ist beeinflussbar, ohne großes Budget — es sind Stellschrauben, die eine Organisation selbst in der Hand hat. Der gute Teil des Befunds steckt nämlich im Detail: Beide Gruppen — Führung wie Personalentwicklung — sehen die Entwicklung von Führung als gemeinsame Verantwortung. Die Bereitschaft ist da. Was fehlt, ist die Übersetzung in feste Routinen.
Jetzt Potenzial freilegen
Man muss dafür kein Großprogramm starten. Zwei schlanke, sofort machbare Schritte lösen den größten Teil des Hebels aus:
- Der Führung feste Reflexionsmomente geben. Ein kurzer, regelmäßiger Rhythmus (etwa monatlich, 45 Minuten), in dem Führungskräfte ihre Wirkung überprüfen: Was unterstütze ich sichtbar? Wo bremse ich? Was braucht mein Team? So wird aus diffusem Druck eine steuerbare Führungswirkung — und die Selbst-/Fremdbild-Lücke schrumpft, weil die eigene Wirkung überhaupt zum Thema wird.
- Die lernorientierte Kultur handlungsleitend machen. Ein oder zwei Werte, die tatsächlich Entscheidungen im Alltag lenken — mit Praxis- und Gegenbeispiel hinterlegt —, statt allgemeiner Bekenntnisse. So bekommt „wir lernen mit" einen konkreten Ort im Verhalten.
Genau diese beiden Schritte deckt der Aktivierungsbaustein-Katalog von ConnectiveX mit zwei kompakten Bausteinen ab, die Sie einzeln aktivieren können — mit einem beginnen, den zweiten dazunehmen:
- RDY-03 Führungs-Check-in — der schlanke Reflexions-Rhythmus, der Führung den Raum und die Zeit gibt, die die Studie einfordert, und ihre Wirkung sichtbar und konsistent macht.
- VAL-03 Werte-Verankerung — der Baustein, der aus Poster-Werten alltagswirksame Orientierung macht, an der sich Entscheidungen im Wandel ausrichten.
Wo Sie heute stehen, zeigt in wenigen Minuten der Quickcheck; die passenden nächsten Schritte finden Sie unter den Aktivierungsbausteinen.
Quellen
- Haufe Akademie: Leadership Studie 2026 — Führung im Dauerwandel (veröffentlicht 12.02.2026; N = 220 Führungskräfte + 135 Personalentwickler:innen). haufe-akademie.de
- Ergänzender Kontext (Engagement/Führung als Tragfähigkeit digitaler Veränderung): Gallup, Engagement Index Deutschland 2025 (veröffentlicht 12.03.2026). gallup.com/de
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